Darf man über einen Nazi-Fackelzug berichten?

Posted by anja - 19. Februar 2012 - Fall - 2 Comments

ScreenshotDie Redaktion von 20 Minuten erhielt aus anonymer Quelle Bilder eines Neonazis-Umzuges, vermutlich stammten die Fotos aus diesen Kreisen. Über 50 Rechtsextreme waren auf den Bildern zu sehen, die am 13.02.2012 mit Fackeln durch das Zürcher Dorf Hombrechtikon marschierten. Gemeinde und Polizei wussten nichts. Sollte die Redaktion darüber berichten und den Nazis so eine Plattform geben?

Die Bilder erreichten uns anonym. Duzende von Neonazis mit brennenden Fackeln in den Händen waren darauf zu sehen, die am 13.Februar 2012 durch das Zürcher Dorf Hombrechtikon zogen. Vor sich trugen sie ein Transparent, das an die Bombardierung von Dresden am 13. Februar 1945 erinnerte. Durch Bomben, die britische und amerikanische Kampfflugzeuge abwarfen, kamen damals bis zu 25 000 Menschen ums Leben. „Die Teilnehmer des Umzugs waren zwischen 20- und 30-jährig, alle waren dunkel gekleidet“, erzählte uns ein Anwohner, der die Szenerie beobachtet hatte. Die Gruppe sei schweigend durch das ganze Dorf marschiert.

Als sich mein Kollege bei der Polizei und der Gemeinde nach der Demonstration erkundigte wussten sie von nichts. Laut Hombrechtikons Gemeindepräsident Max Baur (FDP) haben die unbekannten Veranstalter nicht um eine Bewilligung ersucht. „Eine Bewilligung hätten wir auch nicht erteilt“, so Baur. „Menschen mit einer solchen Gesinnung wollen wir in ihren Aktionen nicht unterstützen.“

Unterstützten wir mit unserer Berichterstattung die Neonazis? Zumal die uns zugespielten Bilder vermutlich aus diesen Kreisen stammten. Die Neonazis waren möglicherweise an der Publikation interessiert, sahen das vielleicht als Plattform für ihre rechte Gesinnung. Sollten wir ihnen so viel Aufmerksamkeit geben?

Von Maja Sommerhalder, Reporterin beim Ressort Zürich bei der Pendlerzeitung 20 Minuten

2 comments

  • Jasper sagt:

    Gefaellt mir sehr der Blog. Schone Themenwahl.

  • Manuel Rothmund sagt:

    Aus meiner Sicht hat 20min genau richtig über diesen Fackelzug berichtet. Immer wieder gibt es in Redaktionen eine Diskussion darüber, ob man über solche Ereignisse berichten soll. Die Angst ist berechtigt, dass man solchen Personen eine Plattform bieten könnte. Es kommt jedoch immer auf die Art der Berichterstattung an.
    Ich bin der Meinung, in solchen Themen, darf ein Medium deutlich Farbe bekennen.
    Aus meiner Sicht zeigt man dem Leser, Hörer, Zuschauer und User auf diesem Weg, welche Haltung eingenommen wird. Was der Medienkonsument darüber denkt, ist seine Sache.

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