Kodex kann ich nicht unterstützen

Posted by maike - 24. Januar 2012 - Meinung - No Comments

oesterreich-fahne-005-quadratisch-020x020_flaggenbilder.de.gif von flaggenbilder.de Ulf Grüner, Bereichsleiter Multimedia, Institut für Journalismus & Medienmanagement, Wien:

„So sehr ich die intensive Auseinandersetzung mit Qualitätskriterien schätze und so sehr ich für klare Kriterien plädiere ­ diesen Kodex empfehle ich zwar auch meinen Studierenden gerne zu Diskussionszwecken, kann ihn aber nicht unterstützen. Aus einer grundsätzlichen Erwägung heraus und in konkretem Dissens zu einzelnen Thesen:

1. Warum ein Multimedia-Kodex, wo es längst einen Pressekodex gibt, der auch längst für Radio, TV, Print gilt und doch wohl auch für alle digitalen Vertriebswege? Mir ist nicht erkennbar, warum man beim Pressekodex eine Unterscheidung einführen sollte, die in der Medienpraxis endlich und langsam verschwindet, nämlich des Verständnisses vom Internet als etwas Exotischem, das spezieller Behandlung bedarf.

2. Einzelne Thesen halte ich für falsch.

z.B. 3.2 (…)*

z.B. 8. „hohen Wirkung als auch der Fälschungsanfälligkeit von Bild-, Ton- und Filmdokumenten“. Nun, ein Text ist viel einfacher zu „fälschen“; insofern verstehe ich diese Spezifikation hier nicht.

z.B. 9 „Er trennt klar erkennbar zwischen privaten Veröffentlichungen und solchen im Namen eines Arbeit- oder Auftraggebers.“Das entspricht nicht dem Charakter einer professionellen Präsenz im Social Web. Hier geht es um die zugegeben schwere Gradwanderung zwischen Privatheit, persönlichem Dialog mit dem Publikum und professioneller Präsenz. Das lässt sich so apodiktisch und einfach nicht postulieren, wie Sie es hier formulieren. Es gibt sehr wohl journalistisch professionelles Verhalten, das auch private Veröffentlichungen beinhaltet – wenn wir hier überhaupt noch von Privatheit reden können. Sie müssten hier eigentlich zwischen den verschiedenen Formen unterscheiden, von der strikten Trennung der Accounts in privat (dann nicht identifizierbar für das Publikum) und rein beruflich (dann immer mit Logo/Kennung des Arbeitgebers). Und selbst da gibt es viele Spielarten, die allesamt nicht a priori verwerflich und unethisch sind resp. sein müssen.

z.B. 11 „Der Multimediajournalist macht Werbung textlich und graphisch …“Seit wann hat im Pressekodex ein Journalist etwas mit der Werbeplatzierung zu tun? Oder denken Sie hier an Journalisten, die ihr Webmagazin oder Blog selbst betreiben? Jedenfalls erscheint mir diese Formulierung hier unpräzise.“

z.B. Art 15ff: Hier engen Sie den Blick ein auf die sehr traditionellen Formen „Foren“ und „UGC“; wenn Sie schon spezifische Multimedia-Regeln einführen, wäre es m.E. wichtig, hier aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen, etwa den “Nutzer” nicht mehr nur als User zu sehen, nicht nur als Kommentator oder Zulieferer; die Idee des UGC hat sich ja stark gewandelt hin zu einem strukturierten „Crowdsourcing“, also der journalistisch gesteuerten Leser/Zuschauer/Zuhörer/User-Aktion. Und auch hier sehe ich eigentlich nicht die prinzipiellen Unterschiede bspw. zu einer Call-in-Sendung im Radio.“

*diese Anmerkung wurde entfernt, da der Kodex diesbezüglich überarbeitet wurde und diesen Teil nicht mehr enthält

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